Bäche und Gräben

Gräben

Gräben zählen nicht zu den klassischen Pflege- und Förderflächen des Naturschutzes, da sie tiefgreifende Eingriffe in Natur und Landschaft darstellen. Gräben wurden zur Grundwasserabsenkung und der schnelleren Ausleitung des Regenwassers aus Äckern und Wiesen durch land- oder forstwirtschaftlichen Wasserbau geschaffen. Trotzdem können sie als amphibische Verbundelemente und Überlebensnischen dienen und als lineare Ökosysteme eine hohe Raumbedeutsamkeit besitzen. Zudem sind Gräben in "biotoparmen" Landschaften oft die einzige Ansatzstellen und Leitlinie landschaftspflegerischer Sanierung. Dazu kommt, dass sie Gegenstand aktueller Konflikte zwischen Meliorationsstellen, Wasser- und Bodenverbänden und Naturschutzbehörden sind (Grabenräumung,-instandsetzung).

[StMLU/ANL 1994: Landschaftspflegekonzept Bayern, Bd.II.10 Gräben]

 

Im Freisinger Moos lebt eine bundesweit vom Aussterben bedrohte Kleinlibellenart, die Vogel-Azurjungfer. Die Gräben im Moos bieten dieser Libellenart ideale Lebensbedingungen: sie sind stark besonnt, führen das ganze Jahr über Wasser, frieren im Winter nicht zu und sind von Pflanzen bewachsen, auf denen die Libellen ihre Eier ablegen können. Der Erhalt und der Unterhalt dieser Gräben sind daher sehr wichtig für den Bestand der Vogel-Azurjungfer. Der Landchaftspflegeverband führte mit den Vertretern der Naturschutzverbände im Winter 1995/96 gezielt Pflegemaßnahmen an den Gräben durch, um das Überleben der Vogel-Azurjungfer im Freisinger Moos zu sichern.

Kleiner Schillerfalter Apatura ilia

Moosach bei Vötting

Bäche

Bäche gehören mit ihren Talräumen in der intensivst genutzten Feldflur des Tertiären Hügel-landes zu den wichtigsten Vernetzungskorridoren für Tier- und Pflanzenarten. Leider haben sie diese Funktion heute weitgehend verloren. Der natürliche Bewuchs entlang der Bäche wurde oft beseitigt und das Gewässer begradigt. Die Folgen waren eine verstärkte Eintiefung des Baches in sein Gewässerbett und die Erosion der Ufer.

Wie im Arten- und Biotopschutzprogramm des Landkreises Freising ausgewiesen, sollen die Bäche und Gräben wieder in einen natürlichen Verlauf mit angrenzendem Gehölzsaum zurückgeführt werden. Die Renaturierung der Gräben und Bäche im Tertiären Hügelland hat zum Ziel, die Hochwasserspitzen zu bremsen. Daneben wird durch die Umgestaltung der begradigten Gewässer und deren Bepflanzung neuer Lebensraum für die Bachmuschel, Forellen, Äschen, die Wasseramsel und den Feuersalamander geschaffen.

Die Moosach am Fuß des Weihenstephaner Berges kann dafür als Leitbild verwendet werden, da sie sowohl einen Gehölzsaum als auch angrenzende Röhrichtzonen aufweist. In der Gemeinde Au konnte mit Hilfe des Maschinenring Freising auf einer Strecke von ca. 250 m wieder ein begradigter kleiner Bach in seinen ursprünglichen Verlauf zurückverlegt werden: der sogenannte Rudertshauser Graben zeigte schon im zweiten Jahr nach der Renaturierung erste Sturkturanreicherungen in Form von Kiesanschüttungen im neugestalteten Bachbett auf. Die angrenzenden, neu angepflanzten Weiden und Erlen stabilisierten die Ufer sehr schnell, so dass das kleine Fließgewässer  wieder in einem gesicherten Bachufer verlaufen konnte.

Hutgraben

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